Denk-Anstöße

Düsseldorfer Tabelle. Neuer Unterhalt ab 2018. >>>>


0,6 % weniger Ehescheidungen im Jahr 2016
WIESBADEN – Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 162 397 Ehen geschieden, das waren knapp 1 000 oder 0,6 % weniger als im Vorjahr. Den Scheidungen ging in den meisten Fällen eine vorherige Trennungszeit der Partner von einem Jahr voraus (82,6 %). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stellten die Ehefrauen 51,3 % der Scheidungsanträge, die Ehemänner 40,9 % und die übrigen wurden von beiden gemeinsam gestellt.
Gut die Hälfte der geschiedenen Ehepaare (50,5 %) hatte minderjährige Kinder und von diesen wiederum 52,4 % nur ein minderjähriges Kind. Insgesamt waren von der Scheidung ihrer Eltern im Jahr 2016 knapp 132 000 Kinder unter 18 Jahren betroffen.
Die Trends zur längeren durchschnittlichen Ehedauer wie auch zum höheren Durchschnittsalter der Geschiedenen setzten sich 2016 weiter fort. Die Ehen hatten im Durchschnitt 15 Jahre bis zur Scheidung bestanden, wobei etwa jede sechste Scheidung (15,6 %) sogar erst nach mehr als 25 gemeinsamen Jahren erfolgte. Durchschnittlich waren die Männer 2016 bei ihrer Scheidung 46 Jahre und 7 Monate alt und die Frauen 3 Jahre jünger (43 Jahre und 7 Monate).
1991 waren Ehen dagegen nach durchschnittlich nur 11 Jahren und 9 Monaten geschieden worden. Mitverantwortlich hierfür war der niedrigere Anteil der geschiedenen Langzeitehen: Nur etwa jede elfte Ehe (gut 9 Prozent) war damals nach mehr als 25 Jahren Ehedauer beendet worden. Das Durchschnittsalter der Geschiedenen hatte 1991 noch um über 7 Jahre niedriger gelegen (Männer: gut 39 Jahre, Frauen: gut 36 Jahre). Allerdings wurde damals auch noch in jüngerem Alter geheiratet.
Der endgültige Anteil an Scheidungen für einen Eheschließungsjahrgang kann erst nach Ablauf einer sehr langen Zeitspanne bestimmt werden. So beträgt im Jahr 2016 die Scheidungsrate für die im Jahr 1991 geschlossenen Ehen – also nach 25 Jahren Ehedauer – bisher 392,6 Scheidungen je 1 000 Ehen. Da aber auch in den Folgejahren noch Ehen dieser Kohorte geschieden werden, wird der Anteil der nach 30 oder 40 Jahren durch Scheidungen beendeten Ehen noch höher liegen.
Die zusammengefasste ehedauerspezifische Scheidungsziffer beschreibt dagegen die aktuellen Scheidungsverhältnisse. Dabei werden die Ehen einbezogen, die in den letzten 25 Jahren geschlossen und im aktuellen Jahr geschieden wurden. Nur wenn das Scheidungsverhalten über 25 Jahre hinweg genauso gewesen wäre wie im betrachteten Jahr, würde nach 25 Jahren ein entsprechender Anteil an Ehen geschieden sein. 2016 lag diese Ziffer bei 346,3.
Quelle: Pressemitteilungen – 0,6 % weniger Ehescheidungen im Jahr 2016 – Statistisches Bundesamt (Destatis)



Bei 62 % der Paare haben Partner einen gleichen oder ähnlichen Bildungsabschluss

WIESBADEN – Die meisten Menschen wählen eine Partnerin oder einen Partner mit gleichem Bildungsniveau. So hatten 2015 bei 62 % der 20,3 Millionen Paare in Deutschland die Lebensgefährten einen gleichen oder ähnlichen Bildungsabschluss. Wenn das Bildungsniveau sich unterscheidet, dann verfügt meistens der Mann über einen höheren Abschluss. Das war bei immerhin 28 % der Fall. Die umgekehrte Situation – dass die Frau einen höheren Bildungsstand hatte – gab es lediglich bei etwa jedem zehnten Paar (10 %). Ehemänner (30 %) haben im Vergleich zu Männern in Lebensgemeinschaften (21 %) häufiger einen höheren Bildungsstand als ihre Partnerin. 14 % der Frauen ohne Trauschein haben einen höheren Bildungsstand als ihre Männer, Ehefrauen nur zu 9 %. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis) Juni 2017


Traumaforscherin über Flüchtlinge

„Das Trauma ist universal“

Warum tun sich viele Deutsche so schwer damit, Flüchtlinge freundlich zu empfangen? Das liegt auch an unserer eigenen Geschichte, sagt Sabine Bode.

taz: Frau Bode, warum tun sich viele Deutsche so schwer, Flüchtlinge mit offenen Armen zu empfangen?
Sabine Bode: Das hat mit unserer eigenen Geschichte zu tun. Mit den Erfahrungen deutscher Familien im Zweiten Weltkrieg und einem Phänomen, das man schuldhafte Verstrickung nennt. Alle Zeiten von Gewalt bringen es mit sich, dass sich die Menschen mehr als in normalen Zeiten schuldig machen.
Inwiefern?
Nehmen wir das aktuelle Beispiel Syrien: Da hat sich vielleicht jemand auf Kosten seines Bruders durchgesetzt, um auf die Flucht zu gehen. Oder vielleicht hat man jemanden bestohlen, um sich die Flucht leisten zu können. Oder man war in Kriegshandlungen oder Kriegsverbrechen verwickelt. Wenn man sich dieser Schuld nicht stellt, führt das oft dazu, dass man die ganze Zeit, in der das alles geschehen ist, abwehrt und nicht daran erinnert werden will.
Was hat das mit den Deutschen zu tun?  

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Neue Psychiatrie-Diagnosen

Aus gesund wird geisteskrank

In Kürze veröffentlichen Ärzte das überarbeitete Klassifikationssystem von psychiatrischen Krankheiten. Darin gibt es zahlreiche neue Diagnosen. Nach SPIEGEL-Informationen befürchten Gesundheitsexperten, dass gesunde Menschen mit Alltagsproblemen zu psychisch Kranken abgestempelt werden.

Darf die Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen zwei Jahre oder nur zwei Wochen dauern? Ab wann ist zu viel essen pathologisch? Und brauchen extrem reizbare Kinder, die sich mitunter zurückziehen, eine psychiatrische Diagnose?

Was noch normal und was schon krank ist, stufen Ärzte nach einem Klassifikationssystem psychiatrischer Leiden ein, das derzeit rundum erneuert wird. Wie der SPIEGEL berichtet, ist jetzt eine Debatte entbrannt um die Inhalte der fünften Auflage des "Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen" (DSM-5), das im Mai veröffentlicht werden soll. Gesundheitsexperten warnen, normale Verhaltensweisen könnten zu seelischen Störungen erklärt werden. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagt: "Das DSM-5 treibt die weltweite Psychiatrisierung von außergewöhnlichen Verhaltensweisen voran. Psychiater und pharmazeutische Firmen produzieren mehr Kranke, um mehr Geld zu verdienen."

Harald Terpe (Grüne), Obmann des Gesundheitsausschusses des Bundestags, befürchtet, dass das DSM-5 die Verwandlung der Kindheit in eine Krankheit noch weiter treiben könnte. "Mir drängt sich der Verdacht auf, dass hier gesellschaftlich nicht erwünschtes Verhalten von Kindern pathologisiert wird", sagt Terpe, studierter Mediziner und sechsfacher Vater. "Die Leidtragenden sind die Kinder, denen suggeriert wird, sie seien nicht 'normal' und könnten nur mit Medikamenten richtig funktionieren", sagt Terpe. Und weiter: "Die pharmazeutische Industrie unterstützt leider diesen Trend, indem sie Psychopharmaka als schnelle und einfache Lösung bewirbt und die erheblichen Risiken verschweigt."

Auch Andreas Heinz, der die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité leitet, mahnt zur Vorsicht: "Es ist falsch, alle möglichen Befindlichkeitsstörungen mit einem Krankheitsbegriff zu belegen."

Die Modediagnose ADHS, die oft falsch gestellt wird, ist für viele Kritiker ein eindeutiger Beleg dafür, dass aus gesunden Kindern mit Problemen Kranke gemacht werden. Die Zahl der Diagnosen ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, mittlerweile beschäftigen sich Ärzte mit der Frage, wie sie Erwachsene behandeln sollen, die als Kinder unter ADHS litten.

hei
URL: pbz-haltern.de/www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/streit-um-psychiatrie-diagnosen-gesunde-werden-zu-psychisch-kranken-a-878763.html


20.08.2012: Weiterer Anstieg der psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern

Zu viel berufliche Flexibilität macht psychisch krank.

AOK: Weiterer Anstieg der psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern

Viele Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich durch immer längere Arbeitswege, ständige Erreichbarkeit und Überstunden überlastet. Nach einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) ist dies mit psychischen Beschwerden verbunden.

Inzwischen hat fast jeder zweite Beschäftigte mit seinem Arbeitgeber eine Absprache, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein. Mehr als jeder Dritte hat dienstliche Anrufe oder E-Mails auch außerhalb der Arbeitszeit erhalten oder Überstunden geleistet. Nahezu jeder achte Beschäftigte gibt an, dass er Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit hat. Diese Arbeitnehmer berichten deutlich häufiger als andere über psychische Beschwerden wie Erschöpfung, Niedergeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Die betrieblichen Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen waren nach einer Auswertung des WIdO bei Berufspendlern erhöht und nahmen mit der Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz zu. Pendler mit großen Strecken unterliegen einem um 20 Prozent höheren Risiko, psychische Symptome zu entwickeln.

Flexible Arbeitswelten bieten die Chance, Beruf und Privatleben besser aufeinander abzustimmen. Allerdings ist es wichtig, dabei zu beachten, dass Grenzen der psychischen Belastbarkeit nicht überschritten werden.

Die AOK hat gestern den Fehlzeitenreport 2012 vorgestellt. Danach entfielen im Jahr 2011 9,6 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage von AOK-Versicherten auf psychische Erkrankungen. 2010 waren es noch 9,3 Prozent gewesen. Der Anteil der psychischen Erkrankungen an den betrieblichen Fehltagen hat in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen.


21.06.2012: DEGS-Studie: 33% der Deutschen psychisch erkrankt

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat erste Ergebnisse der neuen „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) vorgestellt. Diese große repräsentative Studie liefert verlässliche Daten zur Häufigkeit körperlicher und psychischer Beschwerden und Erkrankungen in Deutschland. Vorab legten die Forscher Daten zu Übergewicht, Diabetes, körperlicher Aktivität, psychischer Gesundheit und Funktionseinschränkungen im Alter vor. In klinischen Interviews durch qualifizierte Psychologen wurden psychische Erkrankungen diagnostiziert. Danach leidet ein Drittel (33,3 Prozent) der deutschen Bevölkerung an psychischen Erkrankungen, also etwas mehr als im Jahr 1998 (31,1 Prozent). Weiterführende Analysen müssen nun zeigen, ob bzw. bei welchen psychischen Erkrankungen man von einer statistisch bedeutsamen Zunahme ausgehen kann.

Rund acht Prozent der Befragten berichteten von aktuellen Symptomen einer Depression (depressives Syndrom in den 14 Tagen vor dem Interview, erhoben mit dem standardisierten Fragebogen „PHQ-9“). 1,5 Prozent der Befragten gaben an, dass ein Arzt oder Psychotherapeut bei ihnen in den letzten zwölf Monaten ein Burnout-Syndrom festgestellt hat. Weiterhin wurde in der DEGS-Studie festgestellt, dass 26,5 Prozent der Befragten mindestens dreimal pro Woche unter Schlafbeschwerden litten (Frauen: 30,8 Prozent; Männer: 22,3 Prozent).

Das Thema psychische Gesundheit wurde in einem Zusatzmodul bei 5.318 Personen vertieft. An diesem Modul waren ein Team um Prof. Dr. Hans-Ulrich Wittchen von der Technischen Universität Dresden, das RKI und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) beteiligt. Bei der Untersuchung wurden im Unterschied zum Bundes-Gesundheitssurvey (1998) auch Angaben zur Bevölkerung über 65 Jahren erhoben. Die Analysen der kommenden Monate werden zeigen, in welchem Maße auch ältere Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen sind.

Erste Analysen zur körperlichen Gesundheit zeigen, dass der Anteil der fettleibigen Männer seit 1998 zugenommen hat (von 18,9 Prozent auf 23,3 Prozent), bei Frauen ist dieser Anteil nur leicht gestiegen (von 22,5 Prozent auf 23,9 Prozent). Insbesondere bei jungen Erwachsenen konnte eine Zunahme der erheblich Übergewichtigen beobachtet werden. Ebenso hat die Häufigkeit von Diabetes mellitus um rund ein Viertel zugenommen (von 5,8 Prozent der Bevölkerung 1998 auf 7,2 Prozent 2012).


25.06.2012: Der Spiegel schreibt: "Diagnose Depression: Jüngere Menschen sind verwundbarer geworden"

Dieser Befund verblüfft: In keiner Altersgruppe sind Depressionen in Deutschland so weit verbreitet wie unter den 18- bis 29-Jährigen - das hat eine groß angelegte Patientenbefragung des Robert Koch-Instituts ergeben. Nicht einmal die Hälfte der Kranken wird überhaupt behandelt.

Lesen Sie den Artikel weiter unter:
pbz-haltern.de/www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gesundheitsreport-degs-jugendliche-leiden-haeufiger-unter-depressionen-a-838843.html


11.06.2012: Betriebliche Fehltage aufgrund von Burnout um 1400 Prozent gestiegen

Betriebliche Fehltage aufgrund von Burnout um 1.400 Prozent gestiegen - BPtK-Studie ;Arbeitsunfähigkeit und psychische Erkrankungen Quelle Psychotherapeutenkammer NRW2012

Die Zahl der betrieblichen Fehltage aufgrund von Burnout ist seit 2004 um fast 1.400 Prozent gestiegen. „Die Menschen fühlen sich in ihrem Leben und bei ihrer Arbeit immer häufiger überfordert“, stellt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) fest. „Die psychosozialen Belastungen der modernen Gesellschaft werden erheblich unterschätzt. Seelisch überlastete Personen erhalten zu spät Beratung sowie Hilfe und psychisch Kranke zu spät eine Behandlung.“

Im Jahr 2004 fehlten 100 Versicherte 0,6 Tage aufgrund von Burnout, im Jahr 2011 waren es schon neun Tage. Ihr Anteil an allen Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen ist aber noch gering. Im Jahr 2011 waren 100 Versicherte rund 200 Tage aufgrund seelischer Leiden arbeitsunfähig. Im Vergleich zu psychischen Erkrankungen machen die Ausfälle aufgrund von Burnout also nur 4,5 Prozent der Fehltage aus.

„Im Gespräch mit dem Arzt schildern viele Arbeitnehmer Erschöpfung oder Stress“, erklärt BPtK-Präsident Richter. Solche Schilderungen von Burnout-Symptomen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, weil dahinter meist psychische Erkrankungen stecken.“ Bei 85 Prozent der Krankschreibungen wegen Burnout diagnostizierte der Arzt zusätzlich eine psychische (z. B. Depression, Angststörung) oder körperliche Erkrankung (z. B. Rückenschmerzen). Nur 15 Prozent der Burnout-Krankschreibungen erfolgen ohne eine weitere Diagnose. Auch dann kann Burnout jedoch ein Hinweis auf eine entstehende psychische oder auch körperliche Erkrankung sein.

Aktuell gibt es keine allgemein anerkannte Definition, was unter Burnout zu verstehen ist. Häufig genannte Symptome des „Burnouts“ oder des „Ausgebranntseins“ treten auch bei einer Reihe psychischer Erkrankungen auf: u. a. Antriebsschwäche, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Erschöpfung. Burnout wird in Deutschland in der ICD-10-GM in einer Zusatzkategorie (Z73) verschlüsselt, in der Faktoren beschrieben werden, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen können, ohne eine eigenständige Erkrankung zu sein. Meist handelt es sich um Überforderungen durch berufliche und private Belastungen. „Eine solche Kategorie ist durchaus sinnvoll, weil sie dem Arzt die Verschlüsselung von psychosozialen Risikofaktoren oder auch von Gründen bzw. Anlässen für eine tatsächliche Erkrankung ermöglicht“, erläutert Richter. „Es muss dann aber auch sichergestellt sein, dass eine diagnostische Abklärung oder eine Behandlung eingeleitet wird.“

Psychische Erkrankungen haben ihre Ursachen nicht nur in der Arbeitswelt. Arbeit kann sogar ein wichtiger Faktor für psychische Gesundheit sein. Berufstätige Frauen erkranken deutlich seltener an einer Depression. Arbeitslose Menschen leiden bei Weitem häufiger an psychischen Erkrankungen als Erwerbstätige. Nach Berechnungen der BPtK erkrankt fast jede fünfte nicht berufstätige Frau ohne minderjährige Kinder im Haushalt an einer Depression (19,5 Prozent), aber nur jede achte berufstätige Frau mit Kindern (12,8 Prozent). Am gesündesten sind berufstätige Frauen ohne Kinder (9,6 Prozent). Arbeitslose sind drei- bis viermal so häufig psychisch krank wie Erwerbstätige. Während gesetzlich krankenversicherte Erwerbstätige durchschnittlich elf Tage je 1.000 Versichertenjahre aufgrund psychischer Erkrankungen stationär behandelt werden, sind es bei Arbeitslosen sechsmal so viele Tage. Arbeitslose Männer erhalten außerdem fast dreimal so häufig Antidepressiva verordnet wie Erwerbstätige.

Die Ursachen für psychische Erkrankungen liegen aber auch in der Arbeitswelt. „Auch die moderne Arbeitswelt der Dienstleistungen und Konkurrenz kennt eine Art Fließbandarbeit. Zeitdruck und zu geringe Kontrolle über die Arbeitsabläufe sind Risikofaktoren für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz“, erklärt BPtK-Präsident Richter. „Krankmachend ist, wenn gefährdete oder erkrankte Arbeitnehmer keinen Weg zur Veränderung finden.“ Die Unternehmen können dazu beitragen, dass über psychische Belastungen offen gesprochen werden kann. Es darf nicht dazu kommen, dass in den Betrieben die Meinung herrscht: „Wer ein Problem hat, ist das Problem!“ Wer sich überfordert fühlt, gibt sich häufig selbst die Schuld. Die Erfolgsgeschichten der anderen scheinen dann zu belegen, dass mit der eigenen Leistungsfähigkeit etwas nicht stimmt. „In solchen Situationen reichen Angebote zum Zeit- und Stressmanagement nicht aus“, stellt der BPtK-Präsident fest.

„So belastete Arbeitnehmer brauchen professionelle Beratung und Unterstützung, bevor sich eine seelische Krankheit entwickelt“, empfiehlt Richter. „Nicht jedes Problem bei der Lebensbewältigung  erfordert eine Behandlung. Wichtig ist jedoch eine schnelle diagnostische Abklärung, ob eine Krankheit vorliegt. Nur so kann einer Chronifizierung vorgebeugt werden.“ Aber auch dann, wenn noch keine Erkrankung vorliegt, benötigt der Gefährdete eine qualifizierte Beratung und Anleitung zur Selbsthilfe, die eine Verschlimmerung verhindert. „Die menschliche Psyche hat eine erhebliche Selbstheilungskraft.“, betont BPtK-Präsident Richter. „Die Selbsthilfepotenziale der Menschen werden bisher nicht ausreichend genutzt. Wir brauchen dringend eine Präventionsstrategie, die insbesondere den psychosozialen Belastungen der modernen Gesellschaft gerecht wird.“

Hintergrund:
Deutsche Arbeitnehmer erkranken immer häufiger aufgrund von psychischen Erkrankungen. Die Zahl der betrieblichen Fehltage aufgrund von seelischen Leiden ist auch im Jahr 2010 weiter gestiegen. Die ersten Auswertungen zeigen, dass sich dieser Trend auch im Jahr 2011 fortsetzt. Aktuell werden 12,5 Prozent aller betrieblichen Fehltage durch psychische Erkrankungen verursacht. Der Anteil der Fehltage an allen Krankschreibungen hat sich seit dem Jahr 2000 etwa verdoppelt. Psychische Erkrankungen führen zu besonders langen Fehlzeiten von durchschnittlich 30 Tagen. Depressiv erkrankte Arbeitnehmer fehlen durchschnittlich sogar 39 Tage. Nach jüngsten Berechnungen der Bundesregierung entstehen den Unternehmen jährlich durch psychische Krankheiten Produktionsausfälle von 26 Milliarden Euro.


ADHS - Eine der häufigsten Falschdiagnosen

In einer Untersuchung der Universität Basel und Bochum stellten in ihrer Untersuchung  fest das insgesamt 16,7% der Therapeuten eine falsche ADHS-Diagnose. Bei den männlichen Fallgeschichten waren es sogar 22%, bei den weiblichen 11%. Wären die Diagnosekriterien noch strenger ausgelegt worden, hätte es wohl noch mehr Fehldiagnosen gegeben, so die Forscher der Studie. Schätzungen zufolge sollen 10-15% aller Kinder an ADHS leiden, weltweit 80 Millionen Kinder, die mit dem Medikament Ritalin behandelt werden. Ein Geschäft für die Pharmaindustrie, da wären 16,7% weniger schon eine deutliche Einbuße.

(Quelle die Zeitschrift "Psychotherapeut")


Halterner Zeitung, 24.01.2012

Auf dem Psychomarkt
Psychologisches Beratungszentrum Haltern bietet Hilfestellung

HALTERN Handlesen, Geistheilen, Reiki, Kartenlegen, Hellsehen oder Pendeln: Das Angebot auf dem Psychomarkt ist groß. Das Psychologische Beratungszentrum (PBZ) bietet eine Orientierungshilfe.          
Von Holger Steffe

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Studie: Mobbing ist ein Gruppenphänomen

Wissenschaftler der Freien Universität finden empirischen Beleg für Objektivierbarkeit

Mobbing ist einer Studie von Organisationspsychologen der Freien Universität Berlin zufolge ein Gruppenphänomen. Wie Jens Eisermann und Elisabetta De Costanzo vom Arbeitsbereich Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität erstmals empirisch belegten, beruht die Wahrnehmung von Mobbing nicht allein auf der subjektiven Einschätzung einzelner Personen; es tritt in betroffenen Abteilungen objektivierbar gehäuft auf. Die Ergebnisse wurden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben.

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Stiftung Warentest veröffentlicht Untersuchung über Psychotherapie

Stiftung Warentest veröffentlicht eine Untersuchung mit über 3000 Klienten über Psychotherapie. Dabei ging es um die Frage welche Therapie hilft, wie die Arbeitsweise war, etc. Psychotherapie ist aus Sicht der Patienten sehr wirksam. Nach einer Umfrage der Stiftung Warentest erleben 77 Prozent der psychisch kranken Menschen ihr seelisches Leiden zu Beginn der Therapie als „sehr groß“ oder „groß“. Nach Abschluss der Behandlung lag dieser Anteil nur noch bei 13 Prozent. 61 Prozent berichteten von einer leichteren Bewältigung des alltäglichen Stresses und 53 Prozent von einer gestiegenen Arbeitsfähigkeit. Knapp 80 Prozent waren insgesamt mit ihrem Psychotherapeuten „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“.

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Gefühle unter Druck

Hoher Blutdruck erschwert das Erkennen von Emotionen bei anderen. Wer unter hohem Blutdruck leidet, lebt offenbar wie unter einer Glasglocke: Er nimmt Gefühle bei anderen nur gedämpft wahr, haben US-Forscher jetzt in einer Studie mit 106 Freiwilligen gezeigt.

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Sport vertreibt selbst schwere Depressionen

Der Depression davonzulaufen hilft sogar in schweren Fällen

Von täglichem Training profitieren sogar Menschen mit schweren Depressionen. Dabei half die körperliche Aktivität in einer Studie Patienten, deren erstes Antidepressivum nicht angeschlagen hatte.

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Quelle: focus online, Donnerstag, 25.08.2011, 12:40


Gemeinsam einsam

Einsamkeit hat ihren Ursprung vor allem im Kopf

Einsamkeit lässt sich vor allem durch eine Veränderung des Denkens über sich und seine Mitmenschen bekämpfen, nicht so sehr über die Ausweitung von Sozialkontakten. Das hat ein Wissenschaftlerteam durch die Auswertung bisheriger Forschungsarbeiten gezeigt. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen, bessere Behandlungsansätze gegen Einsamkeit zu entwickeln, und das betrifft nicht nur Aspekte des geistigen Wohlbefindens: Einsamkeit ist auch ein bekannter Risikofaktor für körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Blutdruck und Demenzerkrankungen.

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